--- title: "Server im eigenen Haus" date: 2026-06-02 tags: ["software", "proxmox", "self-hosting", "infrastruktur"] summary: "Warum unsere Dienste auf einer eigenen Kiste laufen statt bei Microsoft, Google oder Synology — und was das mit Architektur zu tun hat." color: yuyake layout: text --- Im Schrank neben dem Plotter steht jetzt eine Kiste. Kein schönes Gerät, ein ausgemusterter Bürorechner mit zu vielen Lüftern, der leise vor sich hin rauscht. Auf ihm liegt, was sonst über ein halbes Dutzend Abonnements verteilt wäre: die Korrespondenz, die Pläne, die Zeiterfassung, diese Website. Das Büro hat seine Daten nach Hause geholt. Lange war das anders, und lange fiel es nicht auf. Ein Architekturbüro produziert Daten, bevor es das erste Gebäude produziert — Wettbewerbsbeiträge, Pläne in dreissig Revisionen, Honorarabrechnungen, die Korrespondenz mit Bauherrschaft und Amt. Dieser Bestand wächst still, und ebenso still ist er in die Cloud gewandert. Microsoft 365 für Mail und Dokumente, OneDrive oder die Synology im Keller für die Dateien, ein gemietetes CRM für die Adressen. Jedes Stück für sich vernünftig, zusammen ein Büro, dessen Substanz auf fremden Servern liegt, zu Bedingungen, die ein anderer schreibt. Das funktioniert tadellos. Es ist bequem. Und es heisst, dass das Gedächtnis des Büros zur Miete wohnt. ## Die Praxis besitzt ihre Werkzeuge Dass wir das umdrehen, ist keine Prinzipienreiterei, sondern eine Konsequenz aus dem [Manifest](/manifest/): Ein Büro offen zu führen heisst auch, die eigenen Werkzeuge zu besitzen — so wie ein Schreiner seine Hobel besitzt und nicht pro Span bezahlt. Wer die Werkzeuge mietet, mietet am Ende die eigene Arbeitsweise. Der Hobel ist in diesem Fall die Kiste im Schrank. Darauf läuft Proxmox, eine quelloffene Software, die aus einem gewöhnlichen Rechner viele kleine, sauber getrennte Maschinen macht. In jeder steckt ein Dienst: diese Website samt dem Editor, mit dem dieser Text geschrieben wurde; RAPPORT, unsere Zeiterfassung; DOSSIER, die Projektablage; der Dateispeicher, der die Synology ablöst; Kalender, Kontakte, Mail. Alles offen, alles auf den eigenen Platten. Was vorher Monat für Monat pro Kopf abgebucht wurde, deckt die gebrauchte Hardware in unter einem Jahr. ## Was das mit Architektur zu tun hat Mehr, als es zunächst scheint. Wo die Daten einer Bauherrschaft liegen, ist keine Geschmacksfrage, sondern eine des Anstands und des Datenschutzes. Eine Maschine im eigenen Haus beantwortet die Frage, wo die anvertrauten Unterlagen sind, mit einem Fingerzeig auf den Schrank — nicht mit einem Verweis auf Rechenzentren in einer anderen Rechtsordnung. Dazu kommt die schlichte Unkündbarkeit. Verdoppelt ein Anbieter den Preis, streicht eine Funktion oder stellt das Produkt ein, ist das sein gutes Recht; man steht daneben und zahlt. Bei uns gibt es nichts, das gekündigt werden kann. Die Formate sind offen — die Texte dieser Bibliothek etwa sind schlichte Textdateien, lesbar auch dann, wenn unser ganzer Apparat einmal verschwindet. Und schliesslich behandelt ein offenes Büro seine Infrastruktur wie einen Entwurf: Man versteht sie, ändert sie, dokumentiert sie. Dieser Aufbau ist deshalb kein Betriebsgeheimnis, sondern steht [unter freier Lizenz](/lizenz/) offen. Wer sein Büro ähnlich einrichten will, kopiert unsere Skripte und macht weiter. ## Der Preis der Selbstverständlichkeit Bleibt die unbequeme Seite, und sie gehört in jeden ehrlichen Text dieser Art: Man wird sein eigener Hauswart. Backups laufen nicht mehr von allein, Aktualisierungen muss jemand einspielen, und fällt der Strom, klingelt kein Support. Tragbar finden wir das aus zwei Gründen. Der Aufwand ist kleiner, als er klingt, sobald die Handgriffe automatisiert sind — einen neuen Dienst aufzusetzen ist bei uns ein einziger Befehl und kein verlorener Nachmittag. Und die Kontrolle ist den Rest wert: Lieber für ein Backup geradestehen, das man versteht, als sich auf eines verlassen, das man nie gesehen hat. Wie die Kiste im Schrank konkret eingerichtet ist — die Maschine, die Container, die Befehle, mit denen ein Dienst in Minuten steht — steht im zweiten Teil: [Proxmox, Schritt für Schritt](/archiv/software/proxmox-schritt-fuer-schritt/).